Artikel aus der sbt-info 3/2025
Mein erster Unterrichtsauftrag
Wenn ich heute von meinen Erfahrungen aus den 1960er-Jahren berichte – halte dich fest! Das ist mit den heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen. Nach meiner zweijährigen Bibelschulausbildung bat mich die Leitung, im Werk zu bleiben, um die Tonbandarbeit aufzubauen. Die Magnetbandtechnik war damals erst etwa 20 Jahre alt und erlebte einen Boom. Mit meinem erlernten Beruf als Feinmechaniker hatte ich die nötigen Kompetenzen, um diese Aufgabe zu übernehmen.
Bereits im darauffolgenden Jahr, 1963, sollte ich ausserdem Bibelunterricht geben – und zwar in Böblingen. Aufgrund der sehr hohen Schülerzahl musste das erste Semester ausgelagert werden. Mein Einstieg in diese neue Aufgabe verlief recht unkonventionell.
„Geh nach Böblingen und unterrichte den Galaterbrief!“, lautete der Auftrag. Es gab keinerlei Erläuterungen, keine Zielvorgaben, keine didaktischen Hilfsmittel. Nichts. Also fuhr ich mit der Bahn nach Böblingen, im Koffer eine Bibel, eine Konkordanz und Schreibzeug. Vor Ort blieb mir nichts anderes übrig, als jede einzelne Lektion auf den Knien von meinem himmlischen Chef zu erbitten. So durfte ich Jesus als den allerbesten Lehrmeister erleben – einen Mentor, dem nicht nur der Unterrichtsstoff, sondern auch mein Wohlergehen am Herzen lag. Jeden Tag brachte mir die Hauswirtschafterin Schwarztee.
Es war Gottes Weg für mich – und er war richtig. Dieser Weg war ein Segen für mich, weil ich in Abhängigkeit bleiben durfte, und er war ein Segen für die Zuhörer, die frisches Brot empfingen. Ausserdem erwies sich diese Zeit als ideale Vorbereitung, um viele Jahre später das sbt-elearning aufzubauen.
Heini mit seiner Ehefrau Rosmarie
Mein erster Auftritt mit dem Bibelschulchor
Bis 1964 hatte die Bibelschule einen hervorragend ausgebildeten Chorleiter, sodass zweimal im Jahr Schallplattenaufnahmen stattfanden. Im Frühjahr 1964 trat dieser wertgeschätzte, geistlich orientierte Kollege an mich heran, drückte mir das Heft „Erste Schritte für den Chorleiter“ in die Hand und zeigte mir, wie ich den Gemeindegesang am Klavier begleiten sollte. Diese Stabübergabe kam völlig unerwartet, da der Chorleiter soeben entlassen worden war.
Plötzlich war ich für eine Aufgabe verantwortlich, die mich völlig überforderte. Der Chor beherrschte zwar das Repertoire, doch mir blieben lediglich zwei Wochen zur Vorbereitung bis zum Auftritt am Himmelfahrtstag.
An jenem Tag sass ich mit dem Chor hinter geschlossenem Vorhang. Ich schwitzte aus allen Poren. Mir war klar: Das ist absolut unmöglich. „HERR, entweder wirkst du jetzt ein Wunder oder du wirst dich mit mir blamieren.“
Dann verspürte ich plötzlich eine tiefe Ruhe. Als der Vorhang aufging, konnte ich nach vorne treten, den Einsatz geben und dirigieren, als wäre ich mit dem Chor allein. Hinter mir lauschten jedoch über tausend Menschen im bis auf den letzten Platz gefüllten Casinosaal in Bern. Dieser Tag wurde zu meinem eindrücklichsten Diensterlebnis: Wenn Gott einen Auftrag gibt, sorgt er auch für die nötige Ausrüstung.
Heini Kuhn unterrichtete über 40 Jahre lang an der damaligen Bibelschule und lebt bis heute in Beatenberg.

